LFM3 und Datenschutz: Liquid AIs Modelle lokal nutzen
Liquid AI hat LFM3 am 27. Oktober 2026 veröffentlicht: kleine offene Modelle fürs Handy. Wohin deine Daten je nach Weg gehen und was zur DSGVO bekannt ist.
Die kurze Antwort: Beim Datenschutz von LFM3 kommt es fast nur darauf an, wo das Modell läuft. LFM3 ist eine Familie kleiner Modelle mit offenen Gewichten. Du kannst sie herunterladen und auf dem eigenen Laptop oder Handy betreiben – dann kommt bei Liquid AI nichts von dem an, was du eingibst. Nutzt du stattdessen Liquids Playground oder API, gilt Liquids Datenschutzerklärung, und die erlaubt das Training mit deinen Ein- und Ausgaben.
Liquid AI hat LFM3 am 27. Oktober 2026 vorgestellt. Es sind sechs Modelle mit jeweils rund zwei Milliarden Parametern, alle aus demselben Basismodell abgeleitet, verfügbar über Hugging Face, den Liquid Playground und die Liquid API. Laut Unite.AI gehören ein Textmodell, ein Bildmodell, ein Audiomodell, ein Omni-Modell für alles zusammen und zwei Entscheidungsmodelle dazu. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung, sondern eine Einordnung dessen, was öffentlich nachlesbar ist.
Was LFM3 ist
Das Textmodell LFM3-1.7B hat laut seiner Modellkarte auf Hugging Face 1,73 Milliarden Parameter und ein Kontextfenster von 256.000 Token. Es unterstützt 16 Sprachen, darunter Deutsch. Liquid gibt an, dass es mit 4-Bit-Quantisierung in etwa 1 GB Arbeitsspeicher passt. Deshalb ist bei diesem Start ständig von Handys, Laptops und Autos die Rede, nicht von Rechenzentren.
Die geringe Größe ist der Vorteil und zugleich die Grenze. Ein so kleines Modell weiß weniger als ChatGPT oder Claude und liegt bei Fakten schneller daneben. Die Modellkarte sagt das selbst: Für agentisches Programmieren und komplexe mehrstufige Aufgaben wird es nicht empfohlen, für wissenslastige Aufgaben rät Liquid zu Suche oder Retrieval. Was ein Agent im Unterschied zu einem Chatmodell tut, erklärt KI-Agenten.
Weg eins: Du betreibst es selbst
Das ist der Weg, der LFM3 für den Datenschutz interessant macht. Liegt die Modelldatei auf deinem Gerät, läuft sie dort. Eine Modelldatei allein schickt nichts irgendwohin; Eingabe, Dokument und Antwort bleiben auf dem Gerät. Für alle, die beim Einfügen einer Kundenliste in ein Chatfenster bisher gezögert haben, ist das ein echter Unterschied. Welche Fragen bei Cloud-Diensten sonst zu klären sind, steht in KI datenschutzkonform nutzen.
Zwei Einschränkungen. Erstens ist die App, in der du das Modell nutzt, eine eigene Software mit eigenem Verhalten. Eine lokale Chat-App, eine Handy-App auf LFM3-Basis oder ein Browser-Werkzeug kann nach eigenen Regeln protokollieren, synchronisieren oder senden. Prüfe also die App, nicht das Modell. Zweitens heißt lokal nicht richtig. Ein Modell mit zwei Milliarden Parametern braucht eher mehr Kontrolle als ein großes, nicht weniger.
Weg zwei: Playground und API von Liquid
Nutzt du LFM3 über Liquids eigene Dienste, gehen deine Texte an Liquid. Die Datenschutzerklärung, zuletzt aktualisiert am 30. September 2026, nennt als Zweck ausdrücklich das Training, Fine-Tuning und sonstige Verbessern von KI-Modellen mit den Ein- und Ausgaben, die du teilst. Liquid schreibt, es wolle für das Training keine personenbezogenen Daten sammeln, diese könnten aber nebenbei darin landen.
- Verarbeitungsort: Laut Erklärung werden die Dienste in den USA gehostet und betrieben. Übermittlungen in andere Länder stützt Liquid unter anderem auf Standardvertragsklauseln.
- Rechte nach DSGVO: Für Menschen in der EU und im Vereinigten Königreich nennt die Erklärung Auskunft, Löschung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch – und ausdrücklich das Recht, der Nutzung deiner personenbezogenen Daten für das Training zu widersprechen. Grundlage ist Art. 21 DSGVO.
- Speicherdauer: so lange wie für die genannten Zwecke nötig, je nach Dienst und Vertrag unterschiedlich. Gelöschte Daten können eine begrenzte Zeit in Backups bleiben.
Für ein KI-Unternehmen ist das nicht ungewöhnlich, aber es ist das Gegenteil des lokalen Wegs. Es gilt dieselbe Regel wie beim Auswerten von Excel-Tabellen mit KI: Entscheide, was dein Gerät verlässt, bevor es das tut.
Was Liquid nicht veröffentlicht hat
Die Modellkarte von LFM3-1.7B, die wir am 28. Oktober 2026 gelesen haben, enthält keinen Abschnitt zu Sicherheit, Verzerrungen oder Missbrauch. Der Launch-Beitrag macht keine Sicherheitsaussagen. Eine Systemkarte, wie OpenAI sie für seine Modelle veröffentlicht, gibt es nicht, und unabhängige Tests liegen noch nicht vor. Das heißt nicht, dass die Modelle unsicher sind. Es heißt, dass es keine veröffentlichten Belege gibt, weder dafür noch dagegen.
Bei einem offenen Modell spielt die Datenschutzerklärung des Anbieters keine Rolle mehr, sobald die Datei auf deinem Gerät liegt. Seine Sicherheitstests schon – und davon ist bei LFM3 kaum etwas dokumentiert.
Das Muster kennen wir von offenen Modellen. Bei Muse Spark Open und Datenschutz war es ähnlich: viel Kontrolle über die eigenen Daten, wenig Dokumentation zum Verhalten. Bei Mistral Large 4 ist die Datenseite besser beschrieben, aber dort geht es um ein gehostetes Modell, also um eine andere Frage.
Die Lizenz, falls du es beruflich nutzt
Laut Modellkarte steht LFM3-1.7B unter der LFM Open License v1.0. Der Lizenztext baut auf Apache 2.0 auf, setzt aber eine Grenze: Kommerzielle Nutzung ist nur für Organisationen mit weniger als 10 Millionen US-Dollar Jahresumsatz lizenziert. Darüber braucht es eine eigene Vereinbarung mit Liquid. Anerkannte gemeinnützige Organisationen sind bei Forschung und nicht kommerzieller Nutzung von der Grenze ausgenommen. Ist dein Arbeitgeber größer, frag nach, bevor du etwas darauf aufbaust.
Was du konkret tun kannst
- Wenn Datenschutz der Grund für dein Interesse ist: lokal betreiben und die App prüfen, in der das Modell läuft.
- Playground und API wie jeden gehosteten Chatbot behandeln: keine Personen- oder Kundendaten ohne Vereinbarung deiner Firma.
- Für enge, überprüfbare Aufgaben nutzen – sortieren, Daten herausziehen, kurze Antworten entwerfen –, nicht für Fakten, die du nicht prüfen kannst.
- Klare, genaue Anweisungen schreiben. Kleine Modelle verzeihen vage Prompts weniger; wie ein guter aussieht, zeigt Was ist ein Prompt.
Interessiert dich vor allem das Audiomodell, stellen sich dieselben Fragen wie bei einem anderen Sprachmodell, das wir uns angesehen haben: Falcon ASR und Datenschutz – wohin die Aufnahme geht und was mit ihr passiert.
Coursium ist eine App im App Store, die zeigt, wie man KI bei der Arbeit nutzt. Neue Modelle kommen jede Woche. Zu wissen, wohin deine Daten gehen, eine klare Anweisung zu schreiben und die Antwort zu prüfen, bleibt von Modell zu Modell gleich. Wenn du genau das üben willst, schau dir Coursium an.
Häufige Fragen
Ist LFM3 datenschutzfreundlich?
Es kann sehr datenschutzfreundlich sein: LFM3 hat offene Gewichte, du kannst es auf dem eigenen Gerät betreiben, und dann erreicht nichts davon Liquid AI. Über Liquids Playground oder API erlaubt die Datenschutzerklärung dagegen das Training mit Ein- und Ausgaben. Zum Verhalten des Modells hatte Liquid bis 28. Oktober 2026 keinen Sicherheitsabschnitt und keine Systemkarte veröffentlicht.
Funktioniert LFM3 offline?
Ja. Laut Liquid AI braucht das Textmodell mit 4-Bit-Quantisierung etwa 1 GB Arbeitsspeicher und läuft mit llama.cpp, MLX und vLLM, also auch ohne Internet auf Laptop oder Handy. Ob eine bestimmte App auf LFM3-Basis offline funktioniert, hängt von dieser App ab.
Kann ich LFM3 kommerziell nutzen?
Nur unterhalb einer Umsatzgrenze. Die LFM Open License v1.0 erlaubt kommerzielle Nutzung für Organisationen mit weniger als 10 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Größere Organisationen brauchen eine eigene Lizenz von Liquid AI.
Kann ich dem Training mit meinen Daten widersprechen?
Bei Liquids gehosteten Diensten ja. Die Datenschutzerklärung vom 30. September 2026 nennt für Menschen in der EU und im Vereinigten Königreich ausdrücklich das Recht, der Nutzung personenbezogener Daten für das Training zu widersprechen. Wer das Modell lokal betreibt, schickt Liquid gar nichts.