Gemini 4 Carbon und Datenschutz: Was Google verrät
Google hat Gemini 4 Carbon am 28. Oktober 2026 vorgestellt, nutzen dürfen es nur Cyber-Verteidiger. Was zur Sicherheit belegt ist und was für die DSGVO zählt.
Die kurze Antwort: Gemini 4 Carbon kannst du in Deutschland derzeit nicht nutzen, und zum Datenschutz sagt Google in der Ankündigung kein einziges Wort. Google hat das Modell am 28. Oktober 2026 vorgestellt und gibt es zuerst einer kleinen Gruppe von Cyber-Verteidigern. Was mit deinen Eingaben passiert, wenn es einmal bei dir ankommt, regelt nicht das Modell, sondern das Produkt, über das du es nutzt – und diese Regeln sind schon heute nachlesbar.
Dieser Artikel trennt zwei Fragen. Erstens: Was hat Google über das Verhalten von Carbon veröffentlicht, und wer darf es nutzen? Zweitens: Was passiert mit deinen Daten, wenn du über die Gemini-App oder die API darauf zugreifst? Er ist keine Rechtsberatung, sondern eine Einordnung dessen, was am 29. Oktober 2026 öffentlich nachlesbar war.
Was Gemini 4 Carbon ist
Carbon ist laut Googles Ankündigung das bisher stärkste Modell des Unternehmens, mit Schwerpunkt auf Cybersicherheit und langen, mehrstufigen Aufgaben. Es baut auf Gemini 4 Argon auf, das Google Ende September vorgestellt hat. Der Einführungspreis über die API ist derselbe wie bei Argon: 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token, später 4 und 20 US-Dollar. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 95 Prozent weniger.
Die Zahlen, mit denen Google wirbt, kommen aus der Sicherheitsforschung: 88,2 Prozent beim Finden von Schwachstellen auf SEC-bench Pro, 54,8 Prozent beim Ausnutzen auf ExploitGym, 71,0 Prozent beim Beheben auf CWE-bench. Unite.AI weist darauf hin, dass das Googles eigene Angaben sind, bis Außenstehende Zugang bekommen. Wie Gemini grundsätzlich arbeitet, erklärt Wie funktioniert Gemini.
Wer Carbon heute nutzen darf
Ab dieser Woche bekommt eine Teilmenge von Cyber-Verteidigern Zugang. Danach will Google den Kreis über sein Fairwind-Programm schrittweise auf weitere vertrauenswürdige Partner erweitern. Entwickler, Unternehmen und Verbraucher sollen Carbon „so bald wie möglich“ bekommen. Ein Datum nennt Google nicht, und zu Ländern oder zur EU sagt die Ankündigung nichts.
Fairwind ist kein offenes Programm. Laut Programmseite hat es über 650 Partner, bevorzugt Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur, große Technologieplattformen und Forschungslabore. Bewerber werden überprüft, auch mit Hintergrundchecks. Wer aufgenommen wird, muss den Zugang auf interne Teams für Sicherheit, Incident Response oder Penetrationstests beschränken, ihn mit phishing-resistenter Mehr-Faktor-Authentifizierung schützen und darf ihn nicht weitergeben oder verkaufen. Am 29. Oktober nannte die Seite übrigens nur Argon, noch nicht Carbon.
Wer dir heute „Gemini 4 Carbon“ über eine Drittseite anbietet, verkauft dir also sehr wahrscheinlich etwas anderes – und gibt deine Eingaben an jemanden weiter, dessen Regeln du nicht kennst.
Was Google zur Sicherheit veröffentlicht hat
Carbon nutzt laut Google denselben mehrschichtigen Schutz wie Argon: Training, Abwehr von Missbrauch in Echtzeit, Widerstand gegen Prompt-Injection und die Überwachung der Gedankenkette des Modells. Was dieser Schutz bei Argon umfasst, steht in Gemini 4 Argon und Datenschutz und in Googles Sicherheitsbericht zu Gemini 4. Neu bei Carbon sind diese Angaben, alle aus internen Tests:
- Indirekte Prompt-Injection, also versteckte Anweisungen in Webseiten oder Dokumenten: 0,0 Prozent erfolgreiche Angriffe auf dem Gray-Swan-Test, gegenüber 0,7 Prozent bei Argon.
- Unbelegte Behauptungen: etwa halb so viele wie bei Argon. Statt Belege zu erfinden, soll Carbon Einschränkungen nennen oder sagen, was noch fehlt.
- Schummeln bei Aufgaben: 0,0 Prozent erfolgreiche Täuschung auf Terminal-Bench 4.0, Täuschungsversuche bei 0,4 Prozent.
- Übergriffe und Untererfüllung: 26 Prozent seltener über den Auftrag hinaus, 29 Prozent seltener darunter.
Dazu kommt: Google nimmt nach eigenen Angaben am freiwilligen Vorabtest-Verfahren der US-Regierung teil und will die Schutzmaßnahmen vor einer breiten Freigabe weiter nachschärfen. Die externen Cyber-Werte wurden laut Ankündigung ohne Schutzfilter gemessen. Das ist ehrlich und zugleich der Grund, warum das Modell gerade nicht frei verfügbar ist.
Weniger erfundene Belege ist ein guter Wert. Er stammt aus Googles eigenen Tests, und halb so viele heißt nicht keine.
Was mit deinen Daten passiert – und was die DSGVO damit zu tun hat
Die Ankündigung enthält keinen Abschnitt zu Daten. Das ist nicht ungewöhnlich, denn bei Google hängen die Regeln am Produkt und am Tarif. Für Fairwind-Partner nennt die Programmseite eine Option ohne Datenspeicherung, wenn das Modell direkt über Gemini Enterprise genutzt wird. Für alle anderen gelten zwei bekannte Regelwerke.
In der Gemini-App gilt der Datenschutzhinweis für Gemini-Apps. Mit aktivierter Gemini-Aktivität werden Chats standardmäßig nach 18 Monaten gelöscht. Ist sie aus, bleiben sie 72 Stunden mit deinem Konto verknüpft. Ein Teil der Chats wird von Menschen geprüft, und geprüfte Chats bleiben bis zu drei Jahre gespeichert. Google rät selbst, nichts Vertrauliches einzugeben.
Über die API entscheiden die Gemini-API-Nutzungsbedingungen. Im kostenlosen Tarif darf Google Eingaben und Antworten zur Produktverbesserung nutzen, auch mit menschlicher Prüfung. Im bezahlten Tarif nicht, dort werden sie nur befristet zur Missbrauchserkennung protokolliert. Für Deutschland wichtig: Im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich gelten die Regeln des bezahlten Tarifs für alle Dienste, auch für Google AI Studio und das kostenlose Kontingent. Das ist eine Vertragsregel von Google, keine Aussage über Carbon.
Welche Fragen du jedem KI-Dienst ohnehin stellen solltest, steht in KI datenschutzkonform nutzen. Wie ein anderer Anbieter dieselben Fragen in diesem Monat beantwortet hat, zeigt GPT-6.1 Terra und Datenschutz.
Der einzige Vergleichsfall: Argon
Argon ging denselben Weg. Vorgestellt am 30. September, zuerst nur für Cyber-Verteidiger, und am 13. Oktober in der Gemini-App für Abonnenten von Google AI Pro und Ultra. Was davon in Deutschland ankam, steht in Gemini 4 Argon in Deutschland. Ob Carbon im selben Tempo folgt, ist offen. Ein Vorgänger ist ein Muster, keine Zusage.
Was du jetzt tun kannst
- Nicht nach inoffiziellem Frühzugang suchen. Google hat gesagt, wer Carbon bekommt, und eine fremde Seite setzt ihre eigenen Datenregeln.
- Einmal bewusst die Gemini-Aktivität in der App prüfen, damit die Einstellung eine Entscheidung ist und kein Standard.
- Bei API-Nutzung im Job klären, unter welchem Konto und Tarif dein Projekt läuft. Die EWR-Regel hilft, ersetzt aber keine Vereinbarung deiner Firma.
- Keine Passwörter, Schlüssel oder Kundendaten in Prompts. Auch das sicherste Modell ändert daran nichts.
- Antworten prüfen, nicht der Selbstsicherheit glauben. Wie ein klarer Auftrag aussieht, der sich überprüfen lässt, zeigt Was ist ein Prompt.
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Häufige Fragen
Kann ich Gemini 4 Carbon in Deutschland nutzen?
Derzeit nicht. Google hat Carbon am 28. Oktober 2026 vorgestellt und gibt es zuerst einer Teilmenge von Cyber-Verteidigern, danach weiteren Partnern im Fairwind-Programm. Für Entwickler, Unternehmen und Verbraucher nennt Google kein Datum, zur EU macht die Ankündigung keine Angabe.
Ist Gemini 4 Carbon DSGVO-konform?
Dazu sagt Google nichts Modellspezifisches. Die Datenregeln hängen am Produkt: In der Gemini-App gilt der Datenschutzhinweis für Gemini-Apps, über die API gelten die Gemini-API-Bedingungen. Im EWR, in der Schweiz und im Vereinigten Königreich wendet Google die Regeln des bezahlten Tarifs auf alle API-Nutzung an.
Was ist der Unterschied zwischen Gemini 4 Carbon und Argon?
Carbon baut auf Argon auf, nutzt denselben Sicherheitsaufbau und denselben Einführungspreis. Laut Google macht es etwa halb so viele unbelegte Behauptungen und wehrte im Gray-Swan-Test alle indirekten Prompt-Injections ab, gegenüber 0,7 Prozent erfolgreichen Angriffen bei Argon. Beides sind Googles eigene Messungen.